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Fragen & Antworten

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  1. Wenn ein Betroffener nun lediglich einen "komischen Geschmack" oder sogar überhauptnichts Besonderes beim Verzehr von leicht mit Alkohol versetzten Lebensmitteln verspürt, warum sollte das gefährlich sein?
  2. Alkoholiker sind willensschwache Menschen, oder nicht?
  3. Warum sind trockene Alkoholiker so sensibel?
  4. Rückfallgefahr - gibt es Vor-Warnzeichen, die ich erkennen kann?
  5. Wiederentdeckte Gefühle, erst betäubt, dann pur.... ist es nicht sehr viel auf einmal, körperliche "Entwöhnung", dann anfangen, TROCKEN zu denken... Überbelastung?
  6. Umgang mit Menschen, die meine Krankheit nicht anerkennen. Wie gehe ich damit um, auf Unverständnis zu stoßen?
  7. Die "Anonymen Alkoholiker" - schämen die sich?
  8. Mein Partner ist alkoholabhängig, ich aber trinke nicht. Bin ich Co-abhängig?
  9. Ich bin Alkoholiker. Seit ich abstinent lebe, mag ich keine Partys mehr. Werde ich jetzt ein "komischer" Mensch?
  10. Mein Freund droht, nach drei Jahren Abstinenz rückfällig zu werden.  Innerhalb weniger Wochen hat  er zum zweitenmal angefangen zu trinken, weil es ihn so "entspannt".  Was kann ich bloß dagegen tun?
  11. Seit ich weiß, das ich mich und mein Leben ändern muß und will, träume ich schlecht. Wieso?
  12. "Trockener Rausch", was ist das?
  13. Mein Freund fühlt sich körperlich immer so fertig und leidet unter Schlafstörungen. Warum ist das so????
  14. Ausrutscher oder Rückfall????
  15. Sind Deine Antworten immer so knallhart?
  16. Branntweinessig contra Apfelessig
  17. Die Mutter meines Freundes ist Alkoholikerin, aber momentan trocken. Wie kann ich ihr bei einem erneuten Rückfall helfen, davon loszukommen, bevor sie "ganz unten" ist?
  18. Zuwendung oder Abwendung?
  19. Anderes/Unbeantwortetes

 

  1. Frage: Wenn ein Betroffener nun lediglich einen "komischen Geschmack" oder sogar überhauptnichts Besonderes beim Verzehr von leicht mit Alkohol versetzten Lebensmitteln verspürt, warum sollte das gefährlich sein?
    Antwort: Die Sucht ist tief im Menschen verwurzelt. Es ist nicht eine bestimmte Menge an Alkohol notwendig um einen Rückfall auszulösen. Der Geschmack oder Geruch von Alkohol kann - auch und gerade im Unterbewusstsein - Erinnerungen von einstigen Assoziationen mit "Glücksgefühl durch Alkoholkonsum" hervor- und damit alte (suchtbedingte) Denkstrukturen aufrufen.
    Eine Reaktivierung der suchtbedingten Denkmuster setzt aber zeitgleich das logische Denken außer Kraft. Somit wäre der Betroffene nicht mehr Herr seiner selbst und erneut zum Spielball des Phänomens Sucht geworden. Dies stellt ein selten erkanntes und meist unterschätztes Risiko dar.
    Eine vernünftige Gefahrenabwehr muß also die absolute Vermeidung jeden Alkohols und bewusstseinsverändernder Substanzen beinhalten. 
     
  2. Frage: Alkoholiker sind willensschwache Menschen, oder nicht?
    Antwort: Nein, diese Schlussfolgerung wäre erstens zu sehr vereinfacht um sie auf die Realität anwenden zu können und zweitens auch ganz und gar nicht zutreffend.
    Alkoholiker sind keine willensschwachen Menschen. Sind Sie schon mal Achterbahn gefahren und unterwegs abgesprungen? Natürlich nicht, denn eine innere Kraft hält Sie davon ab das zu tun - schließlich wollen Sie leben.
    Die Sucht in einem Menschen erklärt sich selbst zum wichtigsten Lebensinhalt und das auf sehr heimtückische Weise, nämlich: 1. schleichend, 2. sehr überzeugend ihrem "Wirt" gegenüber und 3. hört sie nicht auf in ihren Versuchen zu "überzeugen" - auch nicht, wenn sie erkannt ist. "Willensschwäche" aus dem normalen Sprachgebrauch erkennen zu meinen zeugt von grober Fehleinschätzung der Situation, in der sich der "nasse" Alkoholiker befindet. Sich mit seiner eigenen Sucht auseinander zu setzen und gegen die innere Kraft (dieselbe, die Sie vor dem Abspringen aus der Achterbahn bewahrt) anzutreten und sich ihr zu widersetzen zeugt im Gegenteil von einer Willenskraft, die ein normaler, gesunder Mensch in seinem Leben kaum jemals aufzubringen braucht.
     
  3. Frage: Warum sind trockene Alkoholiker so sensibel?
    Antwort: Das waren Sie bereits vor ihrer Trockenheit, Gefühle wurden jedoch stets "betäubt".
    Wer den Weg zur abstinenten Zufriedenheit beschreiten will, der muß nicht nur aufhören zu trinken, denn das Trinkverhalten ist ein Symptom der Sucht. Für jemanden, der den Weg aus der Sucht gefunden hat ist es nur natürlich, auch Ursachenforschung zu betreiben, die Ergebnisse auszuwerten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
    Der plausibelste Grund aus einer fahrenden Achterbahn zu springen wäre wohl, mit der Situation unglücklich zu sein. Das ist denn auch der häufigste Grund dafür, warum Menschen sich gegen ihre Sucht erheben:
    Unglücklichsein oder Depressionen aufgrund der eigenen Lage. An dieser Stelle läßt sich deutlich aufzeigen, worum es geht, nämlich um Gefühle. Geborgenheit, Liebe, Selbstwertgefühl, Ehrlichkeit, Anerkennung, um nur einige zu nennen gewinnen ein neues Gewicht - das ist das Zeug, aus dem das Leben gemacht ist und was vorher betäubt wurde. Ein neuer Sinn im Leben. Dazu gehören aber auch Trauer und Angst, denn die negativen Gefühle zu verleugnen wäre Selbstbetrug. Selbstbetrug ist aber ein vorherrschender Aspekt der Suchtproblematik und somit für den Süchtigen keine akzeptable Verfahrensweise für seinen weiteren Weg.
    GEFÜHLE werden wieder groß geschrieben.
     
  4. Frage: Rückfallgefahr - gibt es Vor-Warnzeichen, die ich erkennen kann?
    Antwort: Eine Rückfallgefahr besteht grundsätzlich für jeden Betroffenen.
    Der größte Risikofaktor ist die Unterschätzung der Gefahr an sich und der sich daraus ergebende leichtsinnige Umgang mit weiteren Gefahrenquellen. Mögliche Gefahrenquellen können sein:
    - die Annahme, nach einer abstinenten Zeit wieder "kontrolliert" trinken zu können
    - latenter Alkohol in Lebensmitteln, insbesondere in Kombination mit anderen Faktoren, als da wären:
    - Unzufriedenheit, Langeweile, Existenzängste, Perspektivenlosigkeit, Liebesarmut, Gewissensbisse, etc...
    Rückfallgefahr ist dann als erhöht zu betrachten, wenn das Leben in Bahnen verläuft, die denen der "nassen" Zeit nahe kommen. Das ist zum Beispiel immer dann der Fall, wenn sich Nichts geändert hat im Gegensatz zu früher, also nur das Symptom des Trinkens unterbunden wurde.
    Eine Therapie und der Austausch innerhalb der Selbsthilfegruppen bieten die beste Möglichkeit den Umgang mit sich, seinen Problemen und der Umwelt grundlegend neu zu verfassen. Was immer so war muß noch lange nicht so bleiben.
    Nur wer seine Krankheit ernst nimmt ist einigermaßen sicher vor einem Rückfall. Wie ernst jemand diese Krankheit nimmt spiegelt sich sicherlich im Umgang mit dem Gesprächsthema Alkohol/Sucht/Lebensbewältigung wieder, ist jedoch für einen Angehörigen schwer zu erkennen, denn dies würde von ihm mehr Kenntnis der suchtkranken Psyche verlangen als beim Betroffenen selber vorhanden ist.
    Auch für den Süchtigen ist dies schwer zu erkennen, denn geplant sind Rückfälle nicht. Ein geplanter Rückfall ist bereits ein Rückfall, denn die beginnen bekanntlich im Kopf (siehe Frage 1).
    Einen abwendbaren Rückfall stellt aber der "Saufdruck" dar, über den gesprochen wird und dem der "Befallene" noch Widerstand entgegensetzen kann. "Druck" ist da genau das richtige Wort und dem kann niemand ewig standhalten. Es besteht akuter Handlungsbedarf!
    Anzeichen als solche gibt es: Sie sind innen drin, mitten in der Seele - noch ein Grund, auf die Gefühle zu achten! Für einen nahestehenden Angehörigen, einen liebenden Partner, der bereit ist einen Teil dieser Last mit zu tragen sollte es mit entsprechender Übung möglich sein, sie zu erkennen. Die Verantwortung verbleibt aber beim Betroffenen allein.
     
  5. Frage:  Wiederentdeckte Gefühle, erst betäubt, dann pur.... ist es nicht sehr viel auf einmal, körperliche "Entwöhnung", dann anfangen, TROCKEN zu denken... Überbelastung?
    Antwort: Dies sieht mehr aus wie die Aussage eines Angehörigen, der den Umfang und die Tiefe der Suchtproblematik bereits erkannt hat, als eine reine Frage. "Überbelastung" würde implizieren, das es nicht funktionieren kann, das kann es aber. Da Alkoholismus eine Krankheit ist, die Alle - auch die Angehörigen - betrifft, sind die Chancen zur Genesung gleichfalls am besten, wenn sich auch Alle damit auseinandersetzen. Daher bedanke ich mich besonders für diese Frage.
     
  6. Frage: Umgang mit Menschen, die meine Krankheit nicht anerkennen. Wie gehe ich damit um, auf Unverständnis zu stoßen?
    Antwort: Es ist schwer genug für den Betroffenen selbst, seine Krankheit zu erkennen und zu verstehen.
    Verständnis ist etwas, das man als Angehöriger dem Betroffenen entgegenbringen sollte. Es hilft beiden. Verständnis ist ein Geschenk für den Betroffenen, denn immerhin versteht er sein Problem anfangs selber kaum und kann es daher auch nicht von Außenstehenden erwarten.
    Angehörigen sind gut beraten, selber Selbsthilfegruppen aufzusuchen (Al-Anon). Auch auf ihr Denken und Verhalten,  ihr Leben und ihre Vorstellung von Wahrheit hat sich die Krankheit ausgewirkt. Ein trocken werdender Alkoholiker wird sich verändern. Angehörige, die sich nicht selber intensiv mit dem Thema auseinandersetzen, werden den "neuen" Menschen verlieren. Den "alten" gibt es ja sowieso nicht mehr, er hat das Trinken und damit seinen wichtigsten Lebensinhalt aufgegeben. Folglich sucht er nach neuen Zielen und muß seine Identität neu definieren, macht Veränderungen an seiner Persönlichkeit durch und ist mit fortschreitendem Abstand zur Sucht ein "ganz anderer" Mensch.  In den seltensten Fällen wird dieser "neue Mensch" ein pflegeleichter und überaus angenehmer sein: Er sucht nach Antworten, nimmt nicht mehr alles einfach hin was er vor seiner Abstinenz tat und sagt den Problemen, die er früher als Grund seines Unglücks ansah offen den Kampf an. Für Partner und nahestehende Angehörige ergibt sich jedoch ein (vermeidbares) Problem, wenn sie die Veränderungen, die der Betroffene durchmacht nicht nachvollziehen können.
    Oft fehlt einfach das nötige Hintergrundwissen und die Aufklärung, um die Situation zu verstehen. Leider tun sich Angehörige oftmals schwerer in die Gruppen der Selbsthilfeeinrichtungen oder Therapiezentren zu gehen und Hilfe anzunehmen, als die Betroffenen selbst.
    Das Prinzip "nicht ich habe das Problem, also brauche ich auch keine Beratung/Hilfe" ist eine fatale Fehleinschätzung. Dieses Prinzip ist leider auch anzutreffen im Zweigespann mit vermeintlicher "Aufgeklärtheit" und das schmälert die Chancen zur Einsicht (beim Angehörigen) ungemein.
    In einer Gemeinschaft beispielsweise, die zwar mit dem nassen Alkoholiker funktionierte, an dem trockenen aber zu scheitern droht, besteht wahrscheinlich Bedarf an "Nachschulung"; auch bietet sie auf Dauer kein geeignetes Umfeld für den abstinenten Süchtigen.
    Angehörige, bitte lasst Euch helfen!
     
  7. Frage: Die "Anonymen Alkoholiker" - schämen die sich?
    Antwort: Nein.
    Anonymität wird hier meist falsch verstanden. Anonymität taucht bereits im Namen auf um eines zu vermeiden: Die Verwicklung mit irgendwelchen Angelegenheiten, die Geld- Besitz- oder Prestigeprobleme mit sich bringen könnten. Man will Alkoholikern helfen und sich keinen ablenkenden Störfaktoren von außen aussetzen.
    Wer zu AA kommt, braucht sich keine Sorgen machen was irgendjemand darüber denkt, was er sagt - Nichts davon wird nach Aussen dringen. Anonymität bedeutet Freiheit von Sachzwängen.
     
  8. Frage: Mein Partner ist alkoholabhängig, ich aber trinke nicht. Bin ich Co-abhängig?
    Antwort: Das ist gut möglich, denn Co-Abhängigkeit bedeutet nicht die selbe Sucht zu haben (schliesst es aber auch nicht aus):
    Wenn der Alkoholismus eines Angehörigen auch Dein Leben in einer Weise beeinflusst, die Dein Leben, Deine Fähigkeiten und Deine Freude ausbremst.
    Ein Co-Abhängiger muss nicht trinken, denn Co-Abhängigkeit bezieht sich nicht auf den Alkohol sondern auf dessen Auswirkungen auf Seele und Geist.
    Co-Abhängigkeit bedeutet in meinen Augen, die Abhängigkeit des Anderen zu unterstützen, weil man mit diesem trinkenden Menschen so ganz gut klarkommt (eine Art Symbiose eingegangen ist). Dazu dürften auch die typischen Ausreden und Verniedlichungen des Abhängigen glaubhaft übernommen werden.
    Zu guter Letzt ist Co-Abhängigkeit genauso eine Krankheit, die vom (Co-) Betroffenen kaum erkannt wird schwer zu akzeptieren ist, weil auch das ein komplettes Umdenken verlangt. Als Resultat der Abhängigkeit des Anderen stellt sich die Co-Abhängigkeit logischer Weise ebenso schleichend, unbemerkt und heimtückisch ein. Bei Ilona Buehring (A-Connect) ist dazu folgender Satz zu lesen:
    "
    Wenn das Verhalten des Angehörigen dazu führt, daß das süchtige Verhalten des Betroffenen fortbestehen kann und eine Behandlung verhindert wird, dann liegt Co-Alkoholismus vor."
    Auf alle Fälle ist der Begriff Co-Abhängigkeit bestens geeignet Diskussionen anzuregen, welche den
    grossen Einfluss der Sucht eines Betroffenen auf dessen Angehörige vor Augen führen kann.
    Und da besteht jede Menge Bedarf, denn erst mal wird meist bei der Feststellung "Nicht ich habe ein Problem, sondern mein Partner" stehengeblieben. (siehe Frage Nr. 6)
    Ein Fehler, wie wir wissen, und vielleicht beginnt an dieser Stelle auch die unbemerkte Co-Abhängigkeit.
     
  9. Frage: Ich bin Alkoholiker. Seit ich abstinent lebe, mag ich keine Partys mehr. Werde ich jetzt ein "komischer" Mensch?
    Antwort: Was Du da beschreibst, so eine Art Ekel (vielleicht nicht ganz das richtige Wort) vor alkoholischer Fröhlichkeit, das habe ich auch.
    Ich sehe darin eine Konsequenz der Überlegungen zur Nüchternheit.
    Nüchtern bleiben ist für uns eines der wichtigsten Dinge, also leben wir nach anderen Regeln als Normalos. Dazu gehört auch die Meidung jeden Alkohols und den ihm zuzuordnenden Launen Anderer. Wenn dies aus Überzeugung und innerem Verlangen nach einem besseren Leben als dem Alten geschieht, wir also daran glauben das Abstinenz Glück bedeutet und nicht mehr Suff - dann sind doch solche Gefühle ein gutes Zeichen :-)
    Neulich hatte ich nach fast einem Jahr mal wieder Rasierwasser benutzt und ehrlich, von dem Gestank hätte ich fast ko.... können. Man kriegt das ja nicht mal wieder so eben abgewaschen, bäh!
    Den anderen Tag holte ich meine Tochter von der Schule ab, parkte dort auf dem Parkplatz. 10 Meter weiter ein Recycling-Container. Wir mussten umparken, raus aus dem Windschatten - ohne nachzusehen hätte ich schwören können, da waren Bierdosen drin. Nicht zum Aushalten.
    Mit den Feiern ist das so eine Sache. Im Lukas-Werk und bei AA sehe ich, das es auch ohne Stoff geht.
    Aber eines bin ich mir doch ganz sicher:
    auf diese trunkene Fröhlichkeit kann ich verzichten. So viele Jahre habe ich verschenkt - eigentlich mein ganzes bisheriges Leben seit der Kindheit. Ab da nahm Alles immer seltsamere Formen an, ich floh mehr und mehr vor allen möglichen echten Gefühlen. So wurde es auch immer schwieriger neuen Gefühlen zu begegnen, mit ihnen umzugehen - die Flucht wurde immer wichtiger und der Kreis begann sich zu schliessen.
    Das ist kein Leben, vor dem man fliehen muss. Das ist keine Fröhlichkeit, die man sich antrinken muss, dass ist Schei.... Das wissen im Prinzip auch Nicht-abhängige, nur für einen Alkoholiker ist es lebensnotwendig, dieses Wissen auch zu beherzigen.
     
  10. Frage: Mein Freund droht, nach drei Jahren Abstinenz rückfällig zu werden.  Innerhalb weniger Wochen hat  er zum zweitenmal angefangen zu trinken, weil es ihn so "entspannt".  Was kann ich bloß dagegen tun?
    Antwort: Leider hast Du keine Kontaktadresse hinterlassen. Bitte melde Dich doch noch einmal bei mir!
    oiooio@aol.com
    Dein Freund droht nicht rückfällig zu werden, er ist es. Kein Zweifel, das es ihn "entspannt". Kein Zweifel auch, das er mit der Einfachheit dieser Aussage den schwerwiegenden Kern der Situation verkennt. Entspannung kann man auch anders erreichen; es ist eines der Ziele jeder Suchttherapie einen stressarmen Lebensstil bzw. die nötige innere Einstellung zu erlernen. Wenn Du mit einem Alkoholiker zusammenlebst weißt Du wahrscheinlich, das nicht Du es bist, der im Wesentlichen etwas tun kann. Sicherlich ist Deine Unterstützung für ihn sehr wertvoll, doch es bleibt an ihm diese anzunehmen und sich erneut aufzuraffen. Ein Rückfall ist auch immer eine neue Chance und kein Grund zum Verzweifeln. Ein Rückfall zeigt, das es noch oder wieder Etwas gibt, was verändert werden muß. Das können die äußeren Umstände (Wohn- Arbeitsverhältnisse, Freundeskreis etc...) genauso sein, wie die inneren (sprich: die Fähigkeit schwierige Dinge gelassen anzugehen) (siehe Frage 4).
    Was mir hier wichtig erschein ist das Du Dich um Dich selbst kümmerst. Warst Du schon früher bei Al-Anon, so geh wieder hin; wenn nicht, geh auch hin oder suche Dir professionelle Hilfe. Es nutzt keinem, wenn Du Dich aus Liebe zu ihm mit seinen Problemen erdrückst. Anlaufstellen gibt es genug (siehe
    Linkliste ); auch Online-meetings sind geeignet um seine Deine Sorgen zu teilen und Fragen zu erörtern.
     
  11. Frage: Seit ich weiß, das ich mich und mein Leben ändern muß und will, träume ich schlecht. Wieso?
    Antwort: Träume sind das, was von dem Datenmüll in unseren Gehirnen ungewollt an die Oberfläche kommt. Sie sind eindeutige Zeugnisse von dem, was uns sehr beschäftigt oder womit wir uns besser noch beschäftigen sollten, weil wir noch keinen Konsens damit gefunden haben.
    Auch geben sie uns die Gelegenheit uns dessen bewusst zu werden, so das wir darüber sprechen und damit arbeiten können.
    Die erschreckende Realitätsnähe von schlechten Träumen kann einem schon ganz schön zusetzen, besonders weil wir dies zur Zeit des Geschehens meist eben nicht als Traum wahrnehmen - da geht es uns Erwachsenen nicht besser als einem Kind.
    Erwacht und wieder beruhigt können wir jedoch sehen: Etwas in uns schreit so sehr, das es ganz deutlich sagt "beachte mich - verdränge mich nicht sondern finde einen Weg, der mich mit einbezieht, denn ich bin da!"
    Das ist nun wiederum alles andere als schrecklich - wir bekommen etwas Großartiges geschenkt, nämlich einen guten Tipp von unserem Unterbewusstsein. Träume bis ins Detail deuten zu wollen ist wohl eher nicht angesagt, da die Phantasie wenn wir schlafen und damit der Realität entrückt sind, ja meist völlig abgeht. Mit dem Grundthema - sei es eine Person, eine Handlung oder ein Gefühl - dürften wir aber schon so ziemlich ins Schwarze treffen.
    Letztendlich, wenn auch seltsam: so verworren ein Traum auch gewesen sein mag - wir wissen doch immer worum es darin eigentlich ging.
    Dem entstehenden Drang über einen Traum zu reden sollte man bestimmt nachgehen. Lange Zeit hielt ich das nicht für notwendig, denn ich war ja erwachsen. Ich war aber auch sehr krank und dieses Mosaikteilchen - Träume wie einen Fernsehfilm zu betrachten, in dem nur andere Personen mitwirken und mir im Wachzustand einfach "Funktionstüchtigkeit" zu unterstellen - passt sehr gut in das Krankheitsbild eines unglücklichen Menschen. Die Kinder erzählen immer ganz aufgeregt, was sie Tolles oder Untolles geträumt haben. Sie müssen es einmal erzählen, vorher ist es nicht gut.
     
  12. Frage: "Trockener Rausch", was ist das?
    Antwort: "Trockener Rausch" ist der Begriff für ein krankhaft verändertes Persönlichkeitsbild, welches auch bei Nicht-Alkoholikern anzutreffen ist. Mehr dazu von Christa.
     
  13. Frage: Mein Freund fühlt sich körperlich immer so fertig und leidet unter Schlafstörungen. Warum ist das so????
    Warum das bei Deinem Freund so ist, weiß ich nicht. Aber: so ist das, wenn man säuft!!!
    Info zur Schlafstörung:
    Schlaf im Alkoholrausch als auch der Schlaf nach Einnahme von "Schlafmitteln" läßt keine REM-Tiefschlafphase zu. Nur in dieser Phase des Schlafes, der erst nach einigen Stunden erreicht wird, werden Alpha-Wellen im Gehirn produziert. REM = schnelle Augenbewegung. Erkennbar ist diese Schlafphase bei Männern auch durch die Erektion, die in diesem Falle nichts mit sexueller Erregung zu tun hat. Es ist die Phase, in der wir am heftigsten träumen (auch wenn wir es meistens hinterher nicht wissen), wodurch seelischer Müll abgearbeitet wird.
    Das Fehlen dieser selbstreinigenden Schlafphase hat auf lange Sicht einen krank machenden Einfluss auf Körper und Geist. Es ist in weiteres Fragment der zerstörerischen Kraft des Alkohols. Der normale Geisteszustand wird "ausgehebelt" und eine realistische Selbsteinschätzung ist nicht mehr möglich.
     
  14. Frage:
    Mein Freund war am 22.10.01 stationär in der Klinik zur Entgiftung. Am 12.11.01 war er in der Kneipe......=Ausrutscher oder Rückfall????
    Jeder Ausrutscher ist ein Rückfall und im Nachhinein begann jeder Rückfall mit einem Ausrutscher. Hatte ich mir nicht vorgenommen, Nichts zu trinken? Siehe Frage 1.
    Hälst Du 3 Wochen ohne Alkohol für eine so lange Zeit, das man sagen kann "er war trocken"? Ich nicht.
    Wenn Du Dir einen "Ausrutscher" aufbinden lässt und Dich darüber wunderst, das Dein Freund immer so fertig ist, dann mach die Augen auf! Es ist nicht schwer, heimlich zu trinken.
     
  15. Frage: Sind Deine Antworten immer so knallhart?
    Das mag sehr wohl Dein Empfinden sein. Ich bin Alkoholiker, doch ich brauche nicht mehr trinken (toi, toi, toi...). Ich bin mir meiner Krankheit bewusst - sie ist allgegenwärtig. Würde ich in meinem Leben anfangen in dieser Beziehung wieder Smalltalk zu betreiben, zu verharmlosen und zu verniedlichen, wäre das ein Schritt, mit dem ich ETWAS ALKOHOL zulassen würde in meiner Welt. ETWAS ist aber der erste Ausrutscher und der erste Schluck von vielen, die da folgen würden.
    Meine Partnerin - die ja auch einmal unbeholfene, ahnungslose Frau eines nassen Alkoholiker war - sagt: "solche Fragen hat man/frau, wenn man erst beginnt, sich damit zu befassen". Also versuche ich zu antworten, so gut es meine Erfahrung zulässt.
    Von einem nassen Alkoholiker wirst Du diese Antworten nicht bekommen, denn für ihn ist sein eigenes Handeln fast immer "im grünen Bereich".
    Wenn er den Führerschein versäuft, sind die "scheiss Bullen" schuld, wenn er die Arbeit verliert, so ist der Chef "ein Schwein" und wenn die Freundin wegläuft, war sie "eine alte Schlampe". Er erzählt lieber, das der Rest der Welt gegen ihn und ungerecht ist und tröstet sich mit einem Schluck.
    Sicherlich steht das, was ich Dir sage in krassem Gegensatz zu dem, was Dein geliebter Partner sagt. Sicherlich ist es hart zu erkennen, wie dehnbar die vermeintliche Wahrheit ist. Das Motto "wasch mich, aber mach mich nicht nass" funktioniert nunmal nicht, wenn man die Sucht besiegen will.
    Wenn Du möchtest, kannst Du mir auch direkt schreiben:
    Menschen, die Ähnliches durchgemacht haben, kannst Du auch in diesem gemischten Online-Meeting finden: 12stepsopen.de  Dort treffen sich  Betroffene und Angehörige um Erfahrungen auszutauschen.
  16. Frage: Dass in Branntweinessig Alkohol enthalten ist, leuchtet mir ein. Aber wie gefährlich sind Lebensmittel, wie z.B. Ketchup, Senf, Essiggurken, die mit Branntweinessig hergestellt werden für einen trockenen alkoholkranken Menschen?
    Es gibt zwar Ausweichprodukte, die mit Apfelessig hergestellt werden, aber die sind rar und nur in Bioläden zu finden.

    Da sollten wir uns zuerst einmal klar machen, was Essig ist und wie er entsteht. Kurz gefasst:
    Ausgangsstoff ist eine Zuckerlösung - so gegeben z.B. bei Apfelsaft und bei Traubensaft.
    Bakterien verarbeiten den Zucker zu Alkohol, also wird daraus z.B. Apfelwein oder bei Traubensaft Wein.
    BEIDES enthält Alkohol! Dieser Gärprozess läuft bis entweder der Zucker aufgebraucht oder aber die Maximalkonzentration erreicht ist, bei der die Bakterien überleben können.

    Nun kommt der Prozess der Essiggärung: Andere Bakterien zersetzen den Alkohol, die Lösung wird zu Essig. Ausgangsstoff ist dabei immer eine alkoholische Lösung.
    Ob das ganze nun "Apfelessig" oder "Branntweinessig" genannt wird beschreibt lediglich das Ausgangsprodukt VOR der Essiggärung. Jeder Essig kann theoretisch noch Alkoholmoleküle enthalten, wenn der Gärvorgang vorzeitig abgebrochen wurde.
    Ist aber ein vorzeitiger Abbruch des Gärungsprozesses bei industriell hergestelltem Essig zu erwarten?
    Essig hat idR. 5% Essigsäure. Nehmen wir mal unvergärten Restalkohol im Essig an mit 0,1% und verwenden das ganze zum würzen und verfeinern von Speisen, verdünnen es also noch einmal ca. 1:100 dann hätten wir eine Alkoholkonzentration von 0,0001% (Jede reife Frucht hat ein vielfaches dieses Alkoholgehaltes.)....

    Auch ich wurde der Therapie vor Branntweinessig gewarnt, ebenso vor allen Fertiggerichten, die solchen enthalten. Ich halte das für Humbug. Jedenfalls in Bezug auf eine eventuelle Alkoholhaltigkeit.
    Wenn aber ein Alkoholiker in seiner nassen Zeit Branntweintrinker war, mag die geschmackliche Nähe ein Faktor sein. Wegen dem Geschmack wird beim Essig jawohl Wert auf das Ausgangsprodukt gelegt (?).
    Auch ist mir zu Ohr gekommen, das einige "seeeehr teure Branntweinessige" nachträglich mit Alkohol versetzt sind. Ist aber für mich nicht belegbar - bei mir gabs immer Essig von Aldi, Lidl & Co.
  17. Frage: Die Mutter meines Freundes ist Alkoholikerin, aber momentan trocken. Wie kann ich ihr bei einem erneuten Rückfall helfen, davon loszukommen, bevor sie "ganz unten" ist?
    erstens: helfen kann ein Alkoholiker sich nur selbst! Er muß es von sich aus wollen. Wenn er diesen Wunsch signalisiert, kann man als Angehöriger Beistand leisten in der Form sich als Gesprächspartner anzubieten. Alles wesentlich darüber hinaus gehende ist "Perlen vor die Säue werfen". Auf gar keinen Fall sollte es dem (der) Rückfälligen leicht gemacht werden, also nichts vom Rückfall vertuschen, keine liegengebliebene Arbeit übernehmen, etc....
    zweitens: das geht natürlich besser, *bevor* es zum Rückfall gekommen ist.
  18. Frage: Zuwendung oder Abwendung? Oft liest man, dass man einen Alkoholiker nicht unterstützen soll, wenn es darum geht, Aufgaben zu erledigen, also Hilfe durch Nicht- Hilfe. 
    Wer Dinge für den Alkoholiker erledigt, die er auf Grund seiner Sucht nicht mehr selber auf die Reihe bekommt, unterstützt dadurch seine Illusion, das er ein normaler Mensch mit einem normalen Leben ist. Folglich braucht er auch sein Trinkverhalten nicht in Frage stellen.
    Der Alkoholiker muss sehr oft und sehr tief fallen. Vielleicht geht er daran zu Grunde. Doch wenn er vor den ungeschönten Scherben seines Lebens steht, wenn er Schulden, ein schlechtes Gewissen, zitternde Hände und ein Magengeschwür hat - dann bietet sich ihm noch die größte Chance erkennen und entscheiden zu können, das er DAS nicht mehr will.
    Wenn ein Angehöriger für ihn lügt, seine Schulden bezahlt oder gar sein Erbrochenes aufwischt, nimmt er ihm diese Chance.
    Frage: Man soll auch die Zuneigung zu ihm von dessen Nüchternheit abhängig machen.
    Wie kann man ihm vormittags zugeneigt sein und abends nicht? Das ist doch etwas, was sich eher auf die Persönlichkeit als Ganzes beziehen sollte. Das er auch wieder betrunken sein wird, ist Teil seines akuten Krankheitsbildes. Würdest Du auch jemand anderes durch Liebesentzug strafen, dafür das er krank ist?
    Vernünftiger wäre zu sagen
    "Ich 'hab Dich trotzdem lieb!" und "Aber ich mag mir dieses ewig-das-selbe-selbstmitleidige Gelalle nicht mehr anhören. Es bringt nichts und nervt. In dem Zustand kann ich nichts mit Dir anfangen. Ausserdem kann ich nicht mit ansehen, wie Du Dich zerstörst. Ich finde betrunkene Menschen ziemlich doof und gar nicht so cool. Aber wenn Du nüchtern bist, mache ich sehr gerne Pläne mit Dir!"
    Frage: Andererseits habe ich gelesen, dass sich hinter der äußeren "Maske" des Alkoholikers ein ängstlicher, unbeholfener und verzweifelter Mensch versteckt, der sich Liebe und Zuneigung wünscht.
    Das steht z.B. weiter oben auf dieser Seite und ist richtig. U.U. ist es ihm aber nicht möglich das zuzugeben, da sonst seine Fassade einbrechen könnte.
    Frage: Was ist nun richtig?
    Du sollst das Mitspielen in "Meine heile Welt"  nicht mit Fürsorge, Hilfe, Liebe oder Zuneigung verwechseln.

Unbeantwortetes

Frage: wieviele alkoholiker gibt es in deutschland? wie viele sind männer? wie vielen frauen? wie viele unter 18?

Frage: mit welchen gesundheitlichen langzeitfolgen muss ein alkoholiker rechnen?

Frage: inwiefern schadet ALKOHOLISMUS den steuerzahlern und der gesellschaft??

Fragen dieser Art werden hier NICHT behandelt, da sie entweder:

- bereits hier beantwortet sind:  http://schmalkoke.de/alkohol/index.htm
- es haufenweise andere Seiten zu dem Thema gibt (siehe
Linkliste
).

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